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Here are some articles from different newspapers and
magazines about FZ. Most are in german and related to his death.
Content
PopVeteran Frank Zappa plant ein Comeback: Er
will Präsident der USA werden.
Seine Augen glühten böse unter dunklen, dicken Brauen, sein Finger würgten lustvoll
den Gitarrenhals. Und seine grabestiefe Stimme sang vom Sex mit Hexen, von stinkenden
Füßen und anderen schlimmen Schweinereien: Wenn Frank Zappa früher auf der Bühne
stand, dann sah er wie der Teufel aus und genauso wurde er behandelt.
Das war der Mann, vor dem besorgte Eltern ihre Kinder
warnten. Das war Musik, die kaum ein Radiosender zu spielen wagte. Das waren Sätze, so
gemein, wie sie Amerika von seinen Entertainern sonst selten zu hören bekam.
"Kein Akkord ist häßlich genug, um all die
Scheußlichkeiten zu kommentieren, die von der Regierung in unserem Namen begangen
werden." Also sprach Zappa in den späten Sechzigern, und was damals nur wie eine
Provokation klang, wie altkluges, pubertäres Geschwätz das entpuppt sich heute, mehr
als 20 Jahre später, als politisches Programm.
Francis Vincent Zappa, 50 und ein Veteran der Popgeschichte,
hat das Provozieren und das Protestieren satt. Er will künftig konstruktiv werden und
Verantwortung tragen und deshalb hat er nun verkündet, daß er bereit sei, im
nächsten Jahr fürs Amt des amerikanischen Präsidenten zu kandidieren.
Zur Zeit, sagt Zappa, prüfe er noch die Chancen und
Bedingungen für unabhängige Bewerber, er denke über Strategie und Logistik nach und
wenn er mit dem Nachdenken fertig sei, werde seine Entscheidung offiziell
bekanntgegeben.
Wer Frank Zappa kennt und das Milieu, aus dem der Meister
kommt, dem drängt sich natürlich der Verdacht auf, daß es sich hier um eine radikale
Satire handeln muss: Schon 1968 nominierten revoltierende Studenten das Ferkel Pigasus zu
ihrem Präsidentschaftskandidaten; das Schwein durfte seine Meinungen zu allen wichtigen
politischen Fragen in die Mikrofone grunzen, und der Wahlslogan der Studenten forderte die
historische Versöhnung von Kannibalismus und Kapitalismus: "Wir verschlingen unseren
Kandidaten. bevor er uns verschlingt."
Frank Zappa aber ist, so scheint es, wirklich seriös
geworden: Er hat die langen, wilden Haare abgeschnitten, hat keine Angst vor Anzügen mehr
und trägt gelegentlich Krawatten. Er äußert sich ernst zu den drängenden Fragen der
Zeit, und sein arrogantes Lachen ist ihm völlig vergangen aus gutem Grund: Der Mann,
dessen Name einst ein Synonym für Avantgarde und Innovation in der Rockmusik war, hinkt
heute den musikalischen Entwicklungen nur noch hinterher.
Er war 22, als das amerikanische Fernsehen ihn als
hoffnungsvollen Jungkomponisten vorstellte: Zappa spielte ein Konzert für
Fahrradspeichen, Pedale und Gummireifen.
Er war 24, als er die originellste Band der amerikanischen
Westküste gründete die Mothers of Invention, deren erste LP "Freak Out!"
hieß und auch so klang: sehr laut, vulgär und frech und frei von aller
FlowerPowerHarmonie.
Während einer Europatournee, 1971 in London, stieß der
eifersüchtige Ehemann eines weiblichen Fans den verhaßten Star von der Bühne. Zappa
wurde schwer verletzt, er mußte pausieren und saß ein Jahr lang im Rollstuhl doch als
er zurückkam, war er besser denn je.
Er heuerte virtuose JazzRocker an, den Pianisten George
Duke beispielsweise und den Geiger JeanLuc Ponty; er schrieb Songtexte voll von
schmutziger Poesie und absurdem Humor; und selbst seine sperrigen, vertrackten
Gitarrensoli bewegten sich damals auf der Höhe ihrer Zeit: "Overnite Sensation"
(1973), "Apostrophe" (1974) und "One Size Fits All" (1975) hießen die
LPs das war Zappa, das Genie aus Kalifornien, in seiner mittleren Schaffensperiode. der
fruchtbarsten von allen.
In den späten Siebzigern aber kam der Punk, auf den Zappa
nicht gefaßt war, und dem New Wave hatte er nichts entgegenzusetzen. Und all die Rapper,
Rastas, Schwermetaller, die dann den Pop der achtziger Jahre spielten, konnten Zappa weder
als Vorbild noch als Feindbild gebrauchen.
Der alternde Avantgardist begann aus dem Underground heraus
und nach Höherem zu streben. Er wandte sich ab von Pop und Rock, eiferte lieber Alban
Berg, Igor Strawinski und Edgar Varése nach, spielte eine LP mit dem London Symphony
Orchestra ein und ließ seine Komposition "The Perfect Stranger" von Pierre
Boulez dirigieren was die Kritiker nicht sonderlich aufregend fanden und die
Popgemeinde überhaupt nicht interessierte.
Zum Glück für Zappa gibt es alte Fans, die den
ExRebellen nicht vergessen haben: Václav Havel beispielsweise bot seinem einstigen Idol
einen Job als Kulturattaché der Tschechoslowakei an, was Zappa dankend annahm. Der
Fernsehsender Financial News Network hält den Musiker seither für einen Experten in
allen osteuropäischen Angelegenheiten, und nun dar Zappa im Abendprogramm seine Ansichten
über den Moskauer Immobilienmarkt, die Produktivkraft der sowjetischen Landwirtschaft und
die potentiellen Gewinnchancen westlicher Innovatoren verbreiten.
Auch zum Krieg am Golf hat Zappa eine klare Meinung: Wenn er
Präsident gewesen wäre, so verriet der Gründer der "Mütter der Erfindung"
einem Interviewer, dann hätte er Saddam Hussein schon rechtzeitig vor der Invasion
Kuwaits gewarnt.
So wurde aus der Mutter aller Schlachten der Vater eines Gedankens: Zappa träumt von
einem besseren Amerika wie alle anderen Kandidaten auch. Zappa hat Millionen. die braucht
er auch als Kandidat. Und Zappa hat eine gewisse Vorstellung davon, daß das Fernsehen
dumm mache. die Zensur schädlich sei und der Mensch ein Recht habe auf privates Eigentum.
Das reicht fast schon ein präziseres Programm würde potentielle Wähler nur verwirren.
Sollte er die Wahl verlieren, muß es mit seiner neuen
Karriere trotzdem nicht am Ende sein. Als Bewohner von Los Angeles kann er sich erst
einmal um den Gouverneursposten von Kalifornien bewerben. Der ist ja, wie Ronald Reagan
bewies, ein gutes Sprungbrett für Präsidentschaftskandidaten aus dem ShowBusiness.
Der Spiegel 33/1991
Keiner ferkelt so frech wie Frank Zappa. Doch hinter den Obszönitäten steckt
ein Moralist, der Spießer schocken und Tabus brechen will.
Frank Zappa raucht wie ein Schlot. Obwohl er einen Tumor im
Körper hat, inhaliert er so tief, daß es scheint, als wäre ihm seine Gesundheit
gleichgültig. Dennoch spricht er ruhig und konzentriert: ein angespannter Workaholic, der
es gelernt hat, Klartext zu reden.
Legenden ranken sich um den am 21. Dezember 1940 in
Baltimore, Maryland, geborenen Gitarristen, Sänger, Konzeptkünstler, Komponisten und
Bandleader. Er gilt als das größte Ferkel der Musikbranche weit vor Prince oder Madonna.
Frank Zappa brachte mehr Sex und Obszönitäten in die Rock-Szene als jeder andere. In
Konzerten und auf Platten sprach er so offen von "Schwänzen",
"Titten" und mehr oder weniger vergnüglichen Varianten des Geschlechtsverkehrs,
daß seine Songs US-High-School-Schülern auch 14 Jahre nach dem offenherzigen
Kinsey-Report über die Schlafzimmergebräuche noch die Schamesröte ins Gesicht trieben.
Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre bat er gar Konzertbesucherinnen, ihre Slips
auszuziehen und ihm zu übergeben: ein gnadenloser Bürgerschreck.
Die Programmgestalter der großen Rundfunkanstalten setzten
seine Songs bereits 1965 wegen pornographischer Texte auf den Index. Zappas Fans jedoch,
vor allem die Underground-Szene New Yorks, verehrten den Rebellen, Kulturphilosophen,
lobten seine tabulosen Obszönitäten als gequälten Aufschrei eines Moralisten, der sich
aus Schreck über den "american way of life" in einen Zyniker verwandelte.
Gründe dafür gibt es reichlich. Schließlich
veröffentlichte der Skandal-Sänger seine unterleibsbezogenen Texte in einem Land, in dem
noch zu Beginn der 80er Jahre leichtsinnige Europäer eine Nacht lang in Polizeigewahrsam
verbringen mußten, wenn sie in Unkenntnis der örtlichen Gepflogenheiten in einem
internationalen Hotel ohne Badehose in die Sauna gingen.
Gegen die Verlogenheit der Spießermoral, verklemmten Sex
und die Plastik-Atmosphäre des Landes hatte Frank Zappa schon Anfang der 60er Jahre
aufbegehrt. Doch erst 1965 stieß der damals 25jährige mit seinen "Mothers Of
Invention" auf Resonanz. Die Lebensumstände änderten sich: Die Anti-Baby-Pille
schuf mit der sicheren Form der Empfängniskontrolle die Voraussetzung für die sexuelle
Revolution. Gleichzeitig zerstörte der Vietnamkrieg bei vielen Jugendlichen das Gefühl,
der amerikanische Staat kämpfe weltweit für Demokratie: Die Hippie- und
Flower-Power-Bewegung war geboren.
Frech und damit voll im Zeitgeist verhöhnte Frank Zappa die
Generation der Eltern und deren Statussymbole. Schon auf seiner ersten Platte Freak Out
attackierte er den "Supermarket dream" des "Mr. America" und dessen
krampfhafte Versuche, "die innere Leere zu verstecken". Eine Mischung aus
Konzert und Polit-Revue machte Zappa und seine "Mothers Of Invention" in den
60er Jahren zu Vätern eines neuere Genres, des Rocktheaters. Mit seinen Konzeptshows ging
er weiter als die englische Band Who mit ihrer Rockoper Tommy und die Beatles mit dem
Konzeptalbum Sgt. Pepper, dessen Cover er 1967 auf seiner eigenen Scheibe We Are Only In
lt For The Money karikierte.
Wie ein kritischer Beobachter begleitet der Amerikaner
seither die Pop-Szene, veralberte mit Cruising With Ruben & The Jets die
Hitparaden-Götter und wenig später auf Playground Psychotics die avantgardistische
E-Musik-Szene um John Cage.
Zeitgenössische ernste Musik blieb Zappas Hobby, Studien-
und Experimentierfeld. Auf Orchestral Favourites untersucht er Orchester und
Rock-Klischees. Nachdem Wendy Carlos mit Switched On Bach 1968 den Mini-Moog-Synthesizer
vorgestellt hatte, vollzog Francesco Zappa dies 1984 mit einer kruden Mixtur aus Barock
und Klassik auf dem Synclavier nach.
Ernsthaft und konsequent entwickelte Zappa vor allem auf den
von langen Instrumentalpassagen geprägten Werken Hot Rats und Waka/Jawaka das Vokabular
de Rock weiter.
Auf Sleep Dirt (1974-76) näherte er sich dem Jazz, von dem
er 1974 auf Roxy & Elsewhere behauptete, er sei zwar nicht tot, aber er rieche schon
recht komisch. Helle, perkussive Marimbaklänge, abrupte Rhythmus- und Themenwechsel
wurden ebenso zu Zappa Markenzeichen wie aggressive Tabubrüche. "Die Chancen stehen
wohl fifty- fifty, daß ich tatsächlich was zu sagen habe", heuchelte er auf
Over-nite Sensation selbstkritisch. Zu Höhepunkten der Kritik an Medien und
Musikgeschäft wurden neben den 20minütigen Adventures Of Greggery Peccary auch die
Konzeptalben Joe's Garage (1979) und Thing Fish (1984).
Auf dem recht melodischen Album Frank Zappa Meets The
Mothers Of Prevention bekämpfte das Enfant terrible die vom neuen amerikanischen
Vizepräsidenten Al Gore eingeleitete Kampagne für eine saubere, wohlanständige
Rock-Musik. Zitate aus der Anhörung beim Kongreß bildeten den Rohstoff für die
zwölfminütige Montage Porn Wars.
"Die Welt ist kaputt", verkündete Zappa auf der
Pressekonferenz zu seinem jüngsten Projekt Yellow Shark mit demFrankfurter "Ensemble
Modern", zu dem im April eine CD mit dem Titel Civilisation: Phase III erscheinen
soll. Das einst blühende Amerika sei in einer "postindustriellen Phase"
angelangt, in der es vor allem Produkte anderer Völker konsumiere. Und: "Sie können
sich amüsieren oder nicht. Falls Sie keinen Spaß dabei haben, gibt es ja immer noch
Michael Jackson."
Das Yellow-Shark-Project
Ein unbekannter Fan stellte vor sechs Jahren die
Yellow-Shark-Skulptur vor Zappas Haustür ab. Mit dem "Ensemble Modern" und der
kanadischen Tanztruppe LaLaLa Human Steps erlebte das Projekt am 17. September 1992 seine
Uraufführung an der Alten Oper in Frankfurt: eine skurrile Synthese aus E-Musik, Rock und
Tanz, die auf Stücken Zappas basiert, die bis 1958 zurückreichen.
Zappa räumt ein, daß seine Rock-Karriere mit Yellow Shark
zu Ende gehen könnte: "Ich bin jetzt 51. Es wird Zeit, daß ich mich nach einem
anderen Job umsehe." Auch die Strapazen einer Tournee überfordern ihn inzwischen;
schon vor dem zweiten Yellow Shark-Konzert war der krebskranke Workaholic so schwach, daß
er seine Teilnahme an den übrigen sechs absagte und in die USA zurückflog.
Die Rock-Szene wird ihm ohnehin immer suspekter. Anstatt in
einem Zirkus mitzumischen, in dem Halb- und Voll-Playbacks als LiveKonzerte ausgegeben
werden und "die Rolle des kompetenten Musikers immer weiter zurückgeht", sitzt
Zappa lieber experimentierend in seinem Studio "Joe's Garage" bei Hollywood oder
in einem der beiden Kellerstudios in seinem Wohnhaus bei Los Angeles.
Tag für Tag bewältigt der 52jährige ein unglaubliches
Arbeitspensum. Morgens um zehn beginnt er, nachmittags gönnt er sich zwei Stunden Pause,
und danach folgt eine weitere, an normalen Tagen bis drei Uhr morgens reichende
Arbeitsphase. In seiner Freizeit spielt er den hingebungsvollen, humorigen Familienvater
für den als Hardrocker aktiven Sohn Dweezil und Tochter Moon. Viel Muße gönnt sich
Zappa freilich nicht: Derzeit poliert er mit dem Klangveredelungssystem von Sonic Solution
seine seit 1965 erschienenen Platten zur Wiederveröffentlichung auf und komponiert
nebenher wie ein Besessener auf dem Musik-Computer Synclavier, auf dem unter anderem das
Meisterwerk Jazz From Hell entstand. Außerdem sammelt er Presseartikel und Analysen über
seine Werke, bereitet für die Reihe Beat The Boots angekaufte Bootlegs zur legalen
Veröffentlichung vor und stellt Konzert-Highlights für die inzwischen sechs Doppelalben
umfassende CD-Reihe You Can't Do That On Stage Anymore zusammen.
Hat Zappa Angst, daß ihm die Zeit wegen seiner Krankheit
davonläuft? "Absolut nicht", meint Liz Wells von der Firma "Zappa
Records", die dem Maestro gehört. Er sei schon immer ein Arbeitstier gewesen. Fragt
man ihn selbst nach seinem Rang in der Musikgeschichte, lacht der Mann, der sich in seinem
ganzen Leben nie irgend einem Trend untergeordnet hat. "Es wäre schöner, mit
Strawinsky und Varese in einer Reihe zu stehen als mit den Doobie Brothers und
Ice-T."
Werner Stiefele
Audio 3/93
Von einem, der auszog, die Hörer das Fürchten zu lehren:
Zappa, Tod und Teufel. War der Altmeister des schlechten Geschmacks und deftig plazierten
Schocks einst anarchistisch albernd als ChefAufwiegler der "Mothers of
Invention" auf Tour, so greift er nun als Geschäftsmann und Multimillionär nach den
Sternen der EMusik. Rockmusik tituliert er neuerdings als "großen Betrug" und
beteuert, bis er 20 geworden sei, nur Kammermusik geschrieben zu haben. Dann gibt es da
noch die Platte "Boulez conducts Zappa" (eine Art Weihe in Sachen Neuer Musik)
und nun den neuesten Coup: Das "Ensemble Modern" spielte im Rahmen der
"Frankfurt Feste" Ende September siebzehn kurze Zappa-Stücke, genannt "The
Yellow Shark".
Irgendwann einmal hat ein anonymer Fan einen gelben Hai aus
einem Surfbrett geschnitzt und das KunstVieh Zappa vor die Tür gestellt. Daher der
KonzertTitel, der das Programm allerdings völlig unberührt läßt. Zu hören bekommt
man in lockerlauniger Abfolge drei MusikKategorien: Witziges, Studien in der
CoplandNachfolge und atonale Höhenflüge.
Die Witze dirigiert der Meister heißumjubelt selbst: den
"GSpot Tornado" (dazu tanzt akrobatisch und etwas einfallslos ein Paar vom
kanadischen "La La La Human StepsBallett": Frau erledigt Mann), ein
ObdachlosenMemorial ("Food Gathering in PostIndustrial America") und die
Verwitzelung des USEinreiseFormulars ("Welcome to the United States"). Zappa
fungiert hier als Heimat-Müder beim sarkastischkabarettistischen Showdown. Der Rest des
Programms ist Dirigent Peter Rundel und dem "Ensemble Modern" überlassen, und
die bleiben nichts schuldig, alles stimmt: Brillantselbstverständliche Musikalität,
unschlagbar virtuos, klangsinnlich, elegant. Zappa wandert durch die Stile, sägt witzig
am Tango ("Be Bop Tango"), denkt Ives und Copland weiter ("Dog/Meat",
"Outrage at Valdez"), und in seinen stärksten und radikalsten Stücken, fern
vom Festland Tonalität, klingt die gewagtere Moderne an, bis hin zu Xenakis ("Times
Beach III").
Geniale Überraschungen gibt es allerdings nicht, und doch
bleibt Zappa in seinem Streifzug durch die Stile ganz er selbst: unamerikanisch
unsentimental, rauh, handwerklich solide, und nie und nimmer angekränkelt vom
postmodernen jammer und EinfallslosStil à la John Zorn, Sculthorpe und Kollegen.
Kunst steckt da zweifellos drin, und das Publikum eine
Mischung aus eingefleischten ZappaJüngern und soliden Konzertgängern jubelte,
jubelte, jubelte. Ein Großteil des Jubels geht natürlich ans "Ensemble Modern"
(wo hört man Neues schon so genial gespielt?), das mit würdigem Humor in einer von
PRRummel gefährdeten Unternehmung nichts weiter als Musik machte: Triumph, Triumph, der
Sieg ist mein.
Reinhard J. Brembeck
FonoForum 11/92
Der Mann ist längst Legende: Frank Zappa, der
Musiker, der Bürgerschreck, der Genius. Ein offenes Gespräch mit dem originellsten Kopf
der Rockmusik über die wilden 60er, Drogen, korrupte Politiker und seinen Kampf gegen den
Krebs.
Nur wenige Leute würden bestreiten, daß Václav Havel,
der tschechische Präsident, und Matt Groening, der Schöpfer der "Simpsons",
ein ungleiches Paar abgeben. Doch als sie in unabhängigen Interviews befragt wurden, wer
den größten Einfluß auf ihr Leben hatte, nannten beiden denselben Namen: Frank Zappa.
"Wer sonst?" fragte Groening. "Ich habe mir die Musik angehört, ich habe
die Texte analysiert, und das hat mich verwandelt."
Frank Zappa ist längst eine Legende geworden, und im
Lauf seiner Karriere blieb kaum etwas von seinen boshaften musikalischen Satiren
verschont. Mit Reißzähnen ging Zappa auf Modetrends, Heucheleien und Stereotype los und
vergrätzte so die verschiedenen Leute. Frauen erbosten sich über den Song "Titties
And Beer", Eltern reagierten mit Entsetzen auf seine schweinösen Texte, und
"He's So Gay" brachte die Schwulen auf die Palme.
Nicht nur seine Liedzeilen, auch Zappas Musik sorgte für
Konfusion, denn der Genius versuchte sich an allem: an Rock, an Jazz und an klassischer
Musik. Zappa hat über fünfzig Alben veröffentlicht, und seine klassischen Werke kamen
auch in eher gediegenen Kreisen an (seine Klassik-LPs wurden übrigens vom London Symphony
Orchestra eingespielt).
Zappa machte sich auch dann Feinde, wenn er keine Musik
schrieb. Er legte sich regelmäßig mit den Saubermännern der US-Politik an und
ermunterte sein Publikum immer wieder zur Teilnahme an Wahlen. 1991 kündigte der Rocker
gar an, bei den Präsidentschaftswahlen kandidieren zu wollen.
Zappas Musik war seit den 60er Jahren auch hinter den
eisernen Vorhang geschmuggelt worden, und vor allem in den Augen des tschechischen Volkes
war er ein Held - sein Song "Plastic People" wurde zur Hymne des Untergrunds.
Als Dankeschön und Huldigung an einen großen Musiker und Demokraten ernannte Präsident
Václav Havel deshalb den Rocker zum Sonder-Botschafter für Handel, Kultur und Tourismus.
Aber die US-Regierung intervenierte, und der Dichterpräsident kuschte: Die Ernennung
wurde prompt zurückgezogen.
Zappa gilt als Bürgerschreck und Sonderling, aber sein
Familienleben scheint ausgesprochen normal zu sein. Inzwischen ist er 52, seit 25 Jahren
mit Gail verheiratet und hingebungsvoller Vater seiner vier Kinder.
Im November 1991 ließ Zappa verlauten, daß er an
Prostatakrebs leide. Seither quälen ihn starke Schmerzen im Unterleib. Für den
Playboy nahm er sich trotzdem viel Zeit - sieben Stunden plauderte die Rocklegende mit
unserem Mitarbeiter David Sheff über Drogen, die Kunst, die Korruptheit der US-Politiker
und den Kampf gegen die Krankheit.
Interview: David Sheff
PLAYBOY: Du gehst ziemlich vielen Leuten auf
die Nerven. Macht es dir eigentlich Spass, andere Menschen zu verärgern?
ZAPPA: Nein.
PLAYBOY: Dein "Phi Zappa Krappa"Poster,
auf dem du nackt posiert hast, hat ziemlich viele Leute abgestoßen.
ZAPPA: Kann schon sein. Na und?
PLAYBOY: Gerüchten zufolge hast du auch mal dein
Publikum angepinkelt.
ZAPPA: Ich habe auf der Bühne nie meinen Pimmel aus
der Hose geholt, und das gleiche gilt auch für alle anderen Mitglieder der Band.
PLAYBOY: Dank solcher Songs wie Dinah Moe Humm (Textzeile:
"Ich hab vierzig Dollar, und jetzt sag, daß du's mir nicht besorgen kannst")
oder He's So Gay hat man dir vorgeworfen, du seiest ein Sexist, ein Frauen und
Schwulenhasser.
ZAPPA: Manche Leute kapieren meinen Witz nicht. Ich
war immer ein bequemer Feind, und bestimmte Gruppen konnten ihre Anliegen durch Angriffe
gegen mich optimal in die Öffentlichkeit tragen. Aber ich habe nichts gegen Schwule.
PLAYBOY: Was geht dir momentan akut gegen den Strich,
politisch?
ZAPPA: Unser Bildungssystem. Die Schulen sind
wertlos, weil die Bücher wertlos sind alle frisiert von rechten Gruppen und
unterschwellig faschistisch. Die Köpfe unserer Kinder werden mit so vielen Lügen
vollgestopft, daß sie am Ende ihrer Ausbildung vollkommen unfähig sind. Sie können
nicht lesen, sie können nicht schreiben, sie können nicht denken. So etwas nenne ich
Kindesmißbrauch.
PLAYBOY: Hast du deine Kinder derart mißbrauchen
lassen?
ZAPPA: In Kalifornien darf man seine Kinder mit
fünfzehn aus der Schule nehmen, sofern sie einen entsprechenden Test bestehen. Die drei
Ältesten sind entkommen. Die jüngste, Diva, hat noch zwei Jahre vor sich.
PLAYBOY: Was hast du deinen Kinder zum Thema Drogen
gesagt?
ZAPPA: Ich sagte ihnen nur: "Im Fernsehen zeigen
sie euch immer wieder Leute, die durch Drogen ausgerastet sind Ihr müßt euch diese
Arschlöcher bloß anschauen." Das haben sie kapiert.
PLAYBOY: Moderate Töne für einen Ex-Bürgerschreck.
Ist dein Interesse an Rock'n'Roll abgeflaut?
ZAPPA: Mein Hauptinteresse gilt inzwischen der Komposition.
Einen Einfall zu haben und ihn auf eine Weise umzusetzen, die andere Leute dann hören
können das befriedigt mich.
PLAYBOY: Vermißt du...
ZAPPA: ... das Rock'n'RollLeben? Nein.
PLAYBOY: Und wie ist es mit dem Feeling, auf der
Bühne zu stehen?
ZAPPA: Das vermisse ich ein bißchen. Ab und zu
wünsche ich mir, wieder Gitarre spielen zu können aber der Aufwand und der Preis
wären zu hoch.
PLAYBOY: Laß uns ein bißchen über deine
Kindheit reden. Waren deine Eltern religiös?
ZAPPA: Ziemlich religiös.
PLAYBOY: Kirche und Beichtstuhl?
ZAPPA: 0 ja. Sie bestanden darauf, daß ich
alles mitmachte. Sie haben mich sogar auf eine katholische Schule geschickt, aber das
Gastspiel war sehr kurz. Als der Pinguin mit dem Lineal auf mich losging, war ich weg.
PLAYBOY: Du warst also recht aufsässig als Kind?
ZAPPA: Ja. Aber bis ich achtzehn war, ging ich
trotzdem regelmäßig zur Kirche. Und dann ging mir plötzlich ein Licht auf. Diese ganze
sinnlose Morbidität und Disziplin ist ziemlich krankhaft blutend dies, schmerzend
jenes und kein Fleisch am Freitag. Was soll der ganze Scheiß?
PLAYBOY: Ist deine respektlose und ausgeflippte Musik
auch eine Reaktion auf diese katholische Erziehung?
ZAPPA: Na ja, ich konnte nur ein guter Musiker
werden, weil ich kein überzeugter Christ mehr war. Um ein guter Katholik zu sein, muß
man im Endeffekt aufhören zu denken.
PLAYBOY: Hast du damals, in den Sixties, mit Drogen
geliebäugelt?
ZAPPA: Nein. Man mußte sich doch nur die Leute
anschauen, die Drogen nahmen. Das hat mir schon gereicht.
PLAYBOY: Das hört sich aber immer noch sehr
katholisch an.
ZAPPA: Ich mache nicht auf Bill Clinton und behaupte,
nie gekifft zu haben. Ich habe Marihuana ausprobiert und gewartet, daß was passiert. Ich
kriegte einen rauhen Hals und wurde müde. Fertig.
PLAYBOY: Hast du dich anderweitig an der Gegenkultur
beteiligt? Sex? Freie Liebe?
ZAPPA: Um daran beteiligt zu sein, mußte man auch
die ganze Drogenkiste mitmachen. Man mußte Erfahrung haben. Erfahrung im Sinne von Jimi
Hendrix. Aber alle Leute mit Erfahrung, die ich kannte, entwickelten sich zu Zombies.
PLABOY: Hat es dich gestört, daß dein Publikum
meistens high war?
ZAPPA: Am schlimmsten war, daß ich den Geruch von
Marihuana eigentlich nicht ausstehen konnte. Ich mußte in Läden auftreten, in denen der
lila Dunst in der Luft lag. Aber die Leute konnten natürlich machen, was sie wollten.
PLAYBOY: Trotzdem hast du lange vor Nancy Reagan
propagiert, daß Drogen idiotisch seien.
ZAPPA: Ja, und deswegen habe ich mich damals auch
nicht gerade großer Popularität erfreut.
PLAYBOY: Hast du dich als Außenseiter gefühlt?
Könnte man sagen, daß außer dir jeder nennenswerte Rockstar...
ZAPPA: auf dem Trip war? Ja. Und es waren nicht bloß
die anderen Musiker, sondern auch die Leute in der eigenen Band. Aber wenn ich einen auf
der Bühne beim Kiffen erwischt hätte, wäre er rausgeflogen. Wie gesagt: Ich war nicht
gerade beliebt damals.
PLAYBOY: Hattest du viel Kontakt zu anderen
Kollegen aus der MusikSzene?
ZAPPA: Nein. Die meisten Rockstars hatten nicht
besonders viel im Oberstübchen. Ich hatte nie das dringende Bedürfnis, mich mit ihnen
abzugeben.
PLAYBOY: Haben dich die großen Musiker der Sixties
überhaupt interessiert? Was war mit Dylan, Hendrix oder den Stones?
ZAPPA: Hendrix' frühe Stücke waren seine besten,
weil er einfach besessen und brutal war. Aber je experimenteller er wurde, desto
langweiliger und dünner wurden seine Songs. Bob Dylan klang mir irgendwann zu sehr nach
CowboyMusik, und ich hasse Cowboy-Musik. Aber die Stones mochte ich wirklich.
PLAYBOY: Die Sixties sind für dich also nicht die gute
alte Zeit?
ZAPPA: Ich betrachte sie als die alte Zeit. Aber wir
hatten natürlich unseren Spass.
PLAYBOY: Und es gab jede Menge Zoff - mit John Wayne
zum Beispiel.
ZAPPA: Ja. Er kam sturzbetrunken zu einer der Shows.
Er sah mich, nahm mich in die Arme und sagte: "Ich hab dich in Ägypten gesehen, du
warst phantastisch ... und dann hast du mir wirklich toll einen geblasen!" Von der
Bühne aus sagte ich: "Meine Damen und Herren, es ist Halloween, und ursprünglich
hatten wir für heute abend einige wichtige Gäste vorgesehen, unter anderem George
Lincoln Rockwell, den Vorsitzenden der amerikanischen NaziPartei. Aber leider konnten
wir nur John Wayne bekommen." Er stand auf, hielt eine betrunkene Rede, und seine
Leibwächter rieten mir, mich lieber abzuregen.
PLAYBOY: Es gab noch andere Charaktertypen damals,
Cynthia PlasterCaster etwa. Erzähl uns von ihr.
ZAPPA: Eric Clapton stellte mir die PlasterCasters
vor. Sie hatten lauter Statuen: Pimmel von Leuten wie Jimi Hendrix. Eine von ihnen
mischte den Gips für die Gußform, und die andere hat dem Modell einen geblasen. Sie nahm
den Pimmel des Typen aus dem Mund, und dann packte die andere den Gips drauf. Ich
habe damals abgelehnt, einbalsamiert zu werden.
PLAYBOY: Hältst du dich jetzt auch noch
über Pop und Rock auf dem laufenden?
ZAPPA: Wo soll man sich denn auf dem laufenden
halten? Wenn irgendwas wirklich sensationell ist, dann kommt es ohnehin
nicht auf MTV.
PLAYBOY: Eine Zeitlang warst du Talkmaster bei FNN.
Du wolltest den tschechoslowakischen Präsidenten Václav Havel einladen, stimmt's?
ZAPPA: Ja. Ich wollte Havel über die
Wirtschaftspolitik seines Landes interviewen und traf ihn in Prag. Aber er hatte
keinerlei Ahnung von der Materie. Das Interview fand nicht statt, aber es war
großartig, ihn kennenzulernen.
PLAYBOY: Wieso warst du so an Havel interessiert?
ZAPPA: Ich finde eben, daß die Samtene
Revolution ein kleines Wunder war. Und da er im Brennpunkt der ganzen Geschichte stand,
wollte ich mich gern mit ihm unterhalten. Er ist wirklich ein faszinierender Mann.
PLAYBOY: Hat es dich eigentlich überrascht, daß es
hinter dem Eisernen Vorhang so viele ZappaFans gab?
ZAPPA: Nicht nur Fans, auch Leute, die mich haßten:
die Geheimpolizei.
PLAYBOY: Was hatte die Geheimpolizei gegen dich?
ZAPPA: In Prag erzählte man mir, daß ich und Jimmy
Carter als die schlimmsten Feinde der kommunistischen CSSR galten. Und ein Student
berichtete, daß er von der Geheimpolizei verhaftet und geschlagen wurde: Sie wollten die
ZappaMusik aus ihm herausprügeln.
PLAYBOY: Was hältst du von der Politik der USA im
freien Osteuropa?
ZAPPA: Eine Katastrophe! Die Leute verelenden und
sehnen sich plötzlich nach der guten alten Zeit. Wenn man den Kommunismus wirklich für
die größte Gefahr des Universums hält, warum arbeitet man dann so intensiv an seinem
Comeback? Die Commies brauchen weder Panier noch Gewehre für eine Machtübernahme sie
müssen sich einfach nur an den Wahlen beteiligen.
PLAYBOY: Manchmal redest du wie ein politischer
Kandidat. Wie ernst war es dir eigentlich mit deinen Plänen für die
Präsidentschaftswahlen?
ZAPPA: Sehr ernst. Aber es ist ziemlich
schwierig, eine Wahlkampagne aufzuziehen, wenn man Krebs hat.
PLAYBOY: Wenn du kandidiert und gewonnen hättest
was wäre deine erste Amtshandlung gewesen ?
ZAPPA: Ich hätte als erstes die Regierung
abgeschafft.
PLAYBOY: Zappa, der AnarchoPräsident? ZAPPA: Ich
glaube, daß die meisten vernünftigen Leute sich einig wären, daß wir Wasser
brauchen, das man trinken kann, und Luft, die man atmen kann. Die meisten Leute begreifen,
daß es eine Form der koordinierten Infrastruktur geben muß und eine nationale
Verteidigung, die dem Ausmaß der möglichen Bedrohung durch andere Länder entspricht.
PLAYBOY: Du bist kein Friedensapostel? ZAPPA:
Die menschliche Natur und die menschliche Dummheit erzeugen oft Gewalt. Wenn Gewalt zu
einem internationalen Konflikt eskaliert, sollte man in der Lage sein, sich selbst zu
schützen. Aber man sollte seine Verteidigung nicht auf die Informationen mieser
Geheimdienste stützen, so wie wir das im kalten Krieg getan haben. Jeder wußte, daß die
UdSSR ein maroder, harmloser Schrotthaufen war, aber zum Segen unserer Rüstungsbosse
wurde trotzdem aufgerüstet.
PLAYBOY: Du willst einerseits das ganze
Regierungssystem auflösen, andererseits hast du deine Fans immer aufgefordert, an Wahlen
teilzunehmen. Wie paßt das zusammen?
ZAPPA: Selbst wenn einem die Kandidaten nicht passen,
geht es immer um Anliegen, die einen direkt berühren. Die Budgetpläne wirken sich eben
auf meinen Geldbeutel aus. Aber das ist auch schon der einzige Grund, weswegen man wählen
sollte. Was die übrige Regierung angeht: Vergiß es! Zuviel Personal, zuviel Leerlauf,
zuviel Energieverschwendung, zuviel pompöse PseudoGrandezza.
PLAYBOY: Was ist mit den Medien?
ZAPPA: Genau so eine Bande! CNN zum Beispiel
verbreitet ungefiltert die Worte dieser minderwertigen Vertreter der menschlichen Spezies,
die es fertiggebracht haben, in Washington Fuß zu fassen.
PLAYBOY: Dein Urteil ist, gelinde gesagt, etwas sehr
pauschal.
ZAPPA: Sei doch ehrlich: Einige dieser Journalisten
sind Verbrecher. Wieso lassen wir uns solche Typen gefallen?
PLAYBOY: Da steckt wahrscheinlich eine Verschwörung
dahinter?.
ZAPPA: Ja. Du mußt das gar nicht ironisieren. Es ist
reine Propaganda.
PLAYBOY: Du behauptest also, die Medien seien die
Sprachrohre der Macht?
ZAPPA: Die Medien sind ein Teil des Systems. Glaubst
du wirklich, die Medien gehören den Liberalen? Ich nicht. Und selbst wenn: Man kann diese
ganzen kriminellen Gesellschaftsklassen ohnehin nicht mehr auseinanderhalten.
PLAYBOY: Da meldet sich der alte Zyniker zu Wort.
ZAPPA: Es ist schwer, nicht zynisch zu sein.
PLAYBOY: Aber du willst den Mächtigen die Hölle
trotzdem heiß machen?
ZAPPA: Pessimismus und Kampf schließen sich nicht
aus. Anderen die Hölle heiß zu machen gehört zu meinen ureigensten Verhaltensweisen.
Jedenfalls bin ich hinsichtlich der Zukunft dieses Landes nicht besonders optimistisch. Es
sei denn, es findet ein radikaler Umschwung statt.
PLAYBOY: Du hast politische Erfahrungen auch im Kampf
gegen Plattenfirmen gemacht. Die Konzerne wollten ihre Alben, ähnlich wie bei der
Filmfreigabe, mit Warnaufklebern kennzeichnen. Die Saubermänner' haben gewonnen. Hatte
das irgendwelche Konsequenzen?
ZAPPA: Bedrohliche Konsequenzen.
PLAYBOY: Warum? Die Warnaufkleber fördern den
Verkauf: Die Kids stehen doch auf die schlimmen Texte.
ZAPPA: Von den meisten RapMusikern kann man aber
nicht behaupten, daß sie Millionen an Platten verkaufen.
PLAYBOY: Glaubst du nicht, daß bestimmte
GewaltSongs die Leute zu Mord oder Vergewaltigung oder zum Suizid anstiften können?
ZAPPA: Die allermeisten Songs sind Liebeslieder. Wenn
Songs die Leute zu irgend etwas anstiften könnten, dann würden wir uns ständig alle
lieben. Gewalt in Songs funktioniert genauso wie Gewalt in Filmen. In Zwei stahlharte
Profis werden Menschen in die Luft gesprengt, zermatscht, verstümmelt. Die Zuschauer
würden so etwas aber nie wirklich tun.
PLAYBOY: Hat man dich jemals zensiert?
ZAPPA: Nein. Ich tue, was mir paßt. Obwohl es
natürlich gewisse Kreise gibt, in denen meine Alben nicht auftauchen. Hier in Amerika
herrscht eine lächerliche Angst davor, daß die Musik unsere Jugend verderben könnte.
Das ist idiotisch. Aber diese schleichende oder auch offene Zensur verwandelt die
Vereinigten Staaten im Endeffekt in einen Polizeistaat. Es geht gar nicht darum, daß
Kinder schmutzige Wörter aufschnappen. Es geht darum, Ideen unter Verschluß zu halten.
Was immer die Mächtigen nicht wahrhaben wollen: Es wird zensiert! Jeder Widerstand soll
erstickt werden. Erst wird der Rock'n'Roll unterdrückt, danach kommen Bücher und alles
andere. Aber Zensur ist Kommunismus. Warum lassen wir uns kommunistische Unterdrückung zu
einem Zeitpunkt gefallen, an dem alle anderen Menschen auf der ganzen Welt begriffen
haben, daß so etwas nicht hinhaut?
Seien wir ehrlich, Leute: Die Politiker in den Vereinigten
Staaten sind das allerletzte. Wir müssen jedem einzelnen von ihnen auf den Pelz rücken,
weil sie Ungeziefer sind. Die Gesetze, die sie Stück um Stück verabschieden, machen
Amerika zum Polizeistaat.
PLAYBOY: Es muß dir doch seltsam vorkommen, daß in
diesem korrupten System ein aufrechter Typ wie Al Gore zum Vizepräsidenten gemacht wurde.
ZAPPA: Clinton dachte, das sei ein geschickter
Schachzug, um Dan Quayle und sein unsinniges Gequake über den Wert der Familie
auszuschalten.
PLAYBOY: Du hast dich auch immer gegen den Rassismus
engagiert. Laß uns über die Unruhen in Los Angeles reden. Was hast du während des
Aufstands gemacht? Warst du irgendwo engagiert, in einem Komitee?
ZAPPA: Nein. Aber ich habe sämtliche Berichte
darüber aufgezeichnet, auf allen Kanälen. Ich habe es aus jeder nur möglichen
Perspektive mitgekriegt, und einige ganz unglaubliche Dinge wurden nicht landesweit
übertragen.
PLAYBOY: Zum Beispiel?
ZAPPA: Aufnahmen von einem Soldatentrupp in der
Kaserne von Orange County. Sie trugen die gleichen NervengasSchutzanzüge, die im
Golfkrieg eingesetzt wurden. Entweder hatten die Gangs wirklich Nervengas gebunkert, oder
es gab Pläne, die Unruhen auf die ganz brutale Art niederzuschlagen.
PLAYBOY: Du hast gesagt, daß du einige deiner Pläne
unter anderem deine Präsidentschaftskandidatur wegen der Krankheit nicht
durchziehen konntest. Wie hat sich der Krebs sonst noch auf dein Leben ausgewirkt?
ZAPPA: In dem Augenblick, in dem einem jemand
eröffnet, daß man Krebs hat, verändert sich das ganze Leben radikal egal, ob man die
Krankheit besiegt oder nicht. Das ist so, als bekäme man ein verdammtes Brandmal
aufgedrückt. Und für die amerikanischen, Mediziner ist man sowieso nur ein Stück
Fleisch. Das Leben wird komplizierter, weil man neben seinen sonstigen Aufgaben auch noch
jeden einzelnen Tag um sein Leben kämpfen muss. Musik zu machen ist schwer genug, aber
größere körperliche Belastungen sind einfach nicht mehr drin. Außerdem machen mich die
ganzen Pillen fix und fertig.
PLAYBOY: Nimmst du gerade irgendwelche Medikamente?
ZAPPA: Ja. Und ich habe vierzig Pfund Übergewicht,
weil sich durch das Zeug in meinem Körper ständig Wasser ansammelt. Ich bin ein
wandelnder Ballon. Man kann nicht einfach Aspirin nehmen und die ganze Sache vergessen. Es
ist eine verdammte Schlacht.
PLAYBOY: Kannst du reisen, oder mußt du ständig in
Reichweite deiner Ärzte bleiben?
ZAPPA: Na ja, ich muß mich regelmäßig meinen Tests
unterziehen, alle zwei Monate. Man muß in der Nähe eines Arztes bleiben, dem man
vertraut. Man möchte ja nicht unbedingt in einem russischen Krankenhaus landen. So
was kann ja tödlich enden. Eine Freundin von mir hatte einen Autounfall und landete in
einem russischen Krankenhaus. Es gab dort weder Narkose noch Einwegspritzen. Als ihr der
Arzt ohne Betäubung das gebrochene Bein richtete, sagte er mir: "An Schmerzen
ist noch keiner gestorben."
PLAYBOY: Seit wann weißt du, daß du Krebs hast?
ZAPPA: Ich habe es im Frühjahr 1990 erfahren.
PLAYBOY: Kam es unerwartet?
ZAPPA: Ich hatte mich seit einigen Jahren nicht ganz
wohl gefühlt, aber niemand hat die richtige Diagnose gestellt. Dann wurde ich wirklich
krank und mußte ins Krankenhaus eingeliefert werden. Während ich dort war, machten sie
einige Tests und fanden heraus, daß der Tumor schon seit acht bis zehn Jahren existierte
und vor sich hinwuchs. Als sie ihn endlich fanden, war er inoperabel.
PLAYBOY: Was haben die Ärzte mit dir angestellt?
ZAPPA: Ich möchte mich nicht bis ins kleinste
morbide Detail hinein darüber verbreiten, was man mit mir angestellt hat, aber ich kann
eine Zusammenfassung geben. Als ich ins Krankenhaus kam, war der Tumor so gross, daß ich nicht mehr pinkeln konnte. Nur um mein Überleben zu sichern, mußten sie ein
Loch in meine Blase bohren. Mehr als ein Jahr habe ich mit einem Schlauch in der Blase und
einem Beutel am Bein zugebracht. So was hält einen von ausgedehnten Reisen ab. Als
Ergebnis der Bestrahlungen schrumpfte der Tumor soweit, daß ich den Beutel abnehmen und
wieder aufs Klo gehen konnte, aber die Nebenwirkungen waren schlimm. Ich möchte nicht
weiter darüber sprechen. Es ist wirklich kein Vergnügen.
PLAYBOY: Aber du kannst noch einige wichtige Dinge
tun - komponieren zum Beispiel.
ZAPPA: Manchmal geht es besser, manchmal schlechter.
Das Sitzen ist an manchen Tagen sehr schmerzhaft, und diese Arbeit wird eben sitzend am
Computer erledigt. Früher konnte ich 16 bis 18 Stunden am Tag arbeiten, aber nun geht es
an manchen Tagen überhaupt nicht. An anderen vielleicht zwei Stunden und manchmal sogar
zehn Stunden.
PLAYBOY: Wie wirkt sich die Krankheit auf dein
Familienleben aus?
ZAPPA: Na ja, hier im Haus ist es kein Geheimnis,
daß ich krank bin. Sie sind alle sehr nett zu mir. Sie passen auf mich auf.
PLAYBOY: Und gefühlsmäßig? Eine Berg- und
Talfahrt?
ZAPPA: Die Emotionen werden eher von den Medikamenten
beeinflußt als von den Gedanken an die Krankheit. Was soll man auch machen? Menschen
werden nun mal krank. Manche können kuriert werden, manche nicht. Aber die Chemikalien
mit denen man behandelt wird, haben ihren Preis. Vorletzte Woche lag ich drei Tage im
Krankenhaus, bis zu den Haarwurzeln vollgepumpt mit Morphium. Das war ein Erlebnis, das
ich nicht unbedingt wiederholen möchte. Als ich entlassen wurde, hat es fast zehn Tage
gedauert, bis mein Körper wieder clean war.
PLAYBOY: Ab einem gewissen Punkt ist man sich
wahrscheinlich nicht mehr sicher, worunter man mehr leidet: unter der Krankheit oder den
Medikamenten.
ZAPPA: Es bringt wirklich alles durcheinander. Ich
muß an manchen Tagen wichtige Entscheidungen treffen, aber mit dem Dope im Körper
verliert man vollständig den Überblick. Außerdem kann man nie voraussagen, wie man sich
am nächsten Tag fühlen wird. Ich habe diesem Playboy-Interview auch nur deshalb
zugestimmt, weil ich mir sicher war, einer Unterhaltung folgen zu können. Es ist
entwürdigend, wenn man seinem eigenen Urteil nicht mehr trauen kann.
PLAYBOY: Wir reden jetzt beinahe sieben Stunden, aber
du scheinst gar nicht müde zu werden. Woran liegt das? An der Tagesform?
ZAPPA: Ja. Du hast einen guten Tag erwischt. Morgen
kann ich schon wieder flach auf dem Rücken im Bett liegen. Man muß mit seiner Zeit
haushalten.
PLAYBOY: Manche Leute würden sich zur Ruhe setzen,
das Leben an irgendeinem Strand beschließen.
ZAPPA: Ich nicht. Ich bin selten bereit zu reisen,
selten bereit das Haus zu verlassen. Einfach, weil ich mein Leben hier genieße und weil
ich meine Familie mag.
PLAYBOY: Welche Auswirkungen hat der Krebs auf deine
aktuellen Kompositionen? Bist du vielleicht melancholischer geworden?
ZAPPA: Ich glaube nicht, daß die Krankheit momentan
irgendwelche derartige Auswirkungen hat. Aber es gibt ganz profane technische Probleme:
Die Arbeit ist manchmal so beschwerlich, daß ich mich dazu verleiten lasse, ein Stück
für abgeschlossen zu erklären. Es gab eine Phase, in der ich an mehreren Stücken
arbeitete und diese viel zu früh für beendet erklärte. Da die Stücke noch nicht
veröffentlicht sind, habe ich sie mir wieder vorgenommen und überarbeitet.
PLAYBOY: Und die Stimmung deiner Musik hat sich
tatsächlich nicht verändert?
ZAPPA: Nein. Ich habe nicht plötzlich angefangen,
traurige Musik zu schreiben. Das liegt mir nicht.
PLAYBOY: Hast du aus der Krankheit etwas für dein
Leben gelernt?
ZAPPA: Ja. Daß wir mutiger, neugieriger werden
müssen. Leute, die sich immer nur mit den einfachsten Befriedigungen, wie Bier und
Fußball, zufrieden geben, wären vielleicht glücklicher, wenn sie ihrem Leben etwas mehr
Dreidimensionalität verleihen würden. Aber die meisten Leute ruhen sich auf ihren
Lorbeeren aus, sobald sie es geschafft haben, mit simplen Tricks eine gewisse Befriedigung
herzustellen. Sie wissen schon vorher, wie gut sich sich fühlen werden, wenn ein
Fußballspiel übertragen wird. Darüber hinaus wollen sie nichts wissen. Für mich
war nach der Krebsdiagnose klar: Ich muß über das Fußballspiel und die Bierdose
hinausblicken können. Wenn ich mich erst mal in einen Randbereich vorwage, bin ich
wahrscheinlich um ein paar wichtige Erfahrungen reicher und kann euch erzählen, was nach
dem Fußballspiel kommt.
Playboy 1993
Er war ein Genie, er war ein Revoluzzer und er wusste, daß er sterben muss. Einer wie Frank Zappa bereitet sich auf den Abschied vor. Wenige
Wochen vor seinem KrebsTod am 4. Dezember 1993 lud die Legende das Wiener Filmduo Rudi
Dolezal und Hannes Rossacher ("DoRo") zum letzten Interview ein. ARTE zeigt am
19. Januar (21.10 Uhr) das Werk "Ein Leben als Extravaganza - das Genie Frank
Zappa". BamS bringt Auszüge.
Vom Kampf gegen den Krebs gezeichnet, schildert der
Komponist sein Verhältnis zur Arbeit. Zappa: "Man darf nie aufgeben, auch dann
nicht, wenn man immer wieder durch Probleme, Fehler oder die eigene Unzulänglichkeit in
der Arbeit oder im Leben zurückgeworfen scheint. Ich fühle mich verpflichtet, in allem,
was ich tue, immer um Perfektion bemüht zu sein aufgeben ist nachlässig."
Die Einstellung eines Todgeweihten. Seinen Zynismus hat
Zappa der wegen seiner KrebsErkrankung nicht für das Amt des USPräsidenten
kandidieren konnte auch bis zum Schluß nicht verloren. Zum Thema Mitmenschen sagt er:
"Geh davon aus, daß alle Menschen, denen du begegnest, Arschlöcher sind. Dann
freust du dich um so mehr, wenn dir jemand Gutes tut." Er hat der Musik viel Gutes
getan. (mkh.)
BamS 1/94
Abschied von einer Kultfigur: Frank Zappa
ist tot
Von Freddie Röckenhaus
Mein Freund hat letzten Sommer mit Frank Zappa auf einem
großen Frankfurter Ledersofa gesessen. Frank (wir nennen dich Frank, denn du bist auch
ein Freund, und niemand hat das Recht, dich in diesem Moment einfach Zappa zu nennen),
Frank also hat die Proben des Modern Ensemble für seine Komposition "Der gelbe
Hai" dirigiert. Im Sitzen. Er hat ununterbrochen seine Witze gemacht, geflachst,
seinen üblichen Zynismus ausgewrungen. Und ab und zu, erzählt mein Freund, seien Frank
die Tränen in die Augen geschossen. Er sei dann kurz auf die Toilette und habe etwas
gegen die Schmerzen genommen, sei wiedergekommen und habe weitergealbert und
weiterdirigiert. Im Sitzen.
Frank Zappa wäre der letzte, über den man so eine
rührselige Begebenheit erzählen würde und deswegen sollten wir es an dieser Stelle
tun. Es besteht nämlich die Gefahr, daß beim Popkultur-Durchschnittsverbraucher von
Frank Zappa kaum mehr übrigbliebe als die eine Seite des Mannes als das berühmte Poster,
das als Ikone des Freaktums die Jugendzimmer und WGKüchen der Siebziger dekorierte:
Frank sitzt da, die Hosen auf Halbmast, mit zotteliger Mähne auf dem Klosett und raucht
sich eine. Und dann war da noch diese goldene Schallplatte für den Hitsong "Bobby
Brown", den die Puristen dir übel genommen haben, weil alle Kids in den Diskos dazu
tanzen konnten (sie nehmen es immer übel, wenn man zu etwas tanzen kann). Mit jener mit
samtensonorer Stimme gesäuselten Textzeile, die vielen als Lebensmotto dient: "You
can kiss my heini." Im Langenscheidt steht nicht, wie man Heini schreibt, aber wir
wissen, wen du gemeint hast, alter Schlawiner.
Popmusik sei die direkteste Demokratie der Welt, hat Frank
Zappa einmal gesagt. Und er hat damit auch gemeint, daß er selbst nie mehrheitsfähig
war. Frank hat in den letzten 28 Jahren ungefähr 59 Alben herausgebracht, seit er die
"Mothers of Invention" gegründet hatte (und gleich mit einem Doppelalbum
debütiert). Aber für einen der angesehensten Popmusiker, dessen Einfluß man nur mit
Jimi Hendrix und den Beatles vergleichen kann, sind ein Hit und ein Poster ziemlich wenig.
Die Fangemeinde hat natürlich Kollektionen angesammelt. Und doch: Ganz so populär war
deine Musik eben nicht, Frank. Man liebt keine Zyniker. Man achtet sie, aber man liebt sie
nicht. Grace Slick, von der Hippieband Jefferson Airplane, hat dich mal so
charakterisiert: "Er ist das intelligenteste Arschloch, das ich je getroffen
habe."
Und außerdem ist deine Musik viel zu oft in einen
unglaublichen Krach umgeschlagen, den selbst Kenner des freiesten Free Jazz als Krach
identifizierten. Aber FrankZappaFans fanden es zum Brüllen lustig und zugleich hoch
politisch.
Frank hat sich trotzdem lange als Popmusiker gesehen. Pop
ist Marketing. Aber Frank Zappa hat sich zugleich immer über die Gesetze des Marktes
lustig gemacht. So etwas geht nicht gut. Die Leute wollen wissen, woran sie sind. Wer die
Ironie in eine populäre Kunst einführt, wer die Gitarre so fuiiitschingtooinnggt wie du,
Frank, wer Rock, Pop, Folk und Jazz ("Er ist nicht tot, aber er riecht komisch")
auf seinen Platten zersägt und ihre Bestandteile gleichzeitig virtuos für seine Zwecke
verwendet, wer gleichzeitig behauptet, die Politik sei "die Unterhaltungsabteilung
der Industrie" und "der Kapitalismus" sei die beste Staatsform, der ist nun
mal nicht mehrheitsfähig.
Frank Zappa ist ein verdammter Zyniker gewesen. Aber
erstens: Was soll man sonst sein? Und zweitens, wie mein Freund sagt, ist jeder Zyniker im
Grunde auch ein trauriger Mensch. Wer seine eigene Plattenfirma Barking Pumpkin Records
(Bellende-Kürbisse-Records) nennt, geht leicht als Clown durch. Aber wer dann anfängt,
klassische Musik zu komponieren ("Ich habe das Komponieren mit Hilfe eines Buches
gelernt"), die höchst kunstvoll an Igor Strawinsky oder Edgar Varése gemahnt, der
geht nicht mal mehr als Clown durch.
Frank hat die Widersprüche dieses verdammten Lebens alle in
seine Musik gepackt und noch mehr in seine entweder politischen oder sonstwie obszönen
Songtexte. Oder in seine Interviews. Politiker waren für ihn stets nur "mutierte
Gebrauchtwagenverkäufer", die unter anderem das Land mit Drogen vollstopften, um die
Leute in unserer "Plastikwelt" ruhigzustellen. Aber 1991 verkündete Frank, er
wolle ernsthaft für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten kandidieren. Kurze Zeit
später kam die Diagnose: Prostatakrebs. Schade. Vielleicht wäre Frank Zappa in dieser
Rolle mehrheitsfähig gewesen. Gewählt hat er dann Ross Perot.
Andererseits sagte Frank ja am laufenden Band Dinge wie:
"Ich mag keine Frauen mit langen Fingernägeln. Ich frage mich immer, wie die sich
damit den Hintern abwischen." Der gleiche alte Zyniker war mehr als 25 Jahre mit
seiner Frau Gail verdammt romantisch verheiratet und nannte seine Tochter
liebevollversponnen Moon Unit und seine Söhne Dweezil und Ahmet. Ironie des Schicksals:
daß ausgerechnet Frank so lange sterben mußte. Er wurde 52 Jahre alt.
Frank hat gerne Groucho Marx zitiert: "Ich möchte nie
Mitglied in dem Klub sein, der bereit wäre, mich als Mitglied aufzunehmen." Hoffen
wir, Frank, daß du auch das nicht so gemeint hast. Du bleibst Mitglied in unserem Klub.
Ob du willst oder nicht. Man kann es mit dem Außenseitertum nämlich echt übertreiben.
Die Zeit 10.12.1993
Er war nur wegen des Geldes drin, hatte aber
trotzdem kein Herz für Plastic People. Nachbetrachtungen zu einer Anti-Rock-Legende: Am
Wochenende starb Frank Zappa im Alter von 52 Jahren an Krebs.
Von Harald Fricke
Aussteigen, ohne wieder einzusteigen, in Halbschräglage um
die Achse des Rock 'n' Roll kreisen, dann aber hier und da ein Türchen aufmachen; mit
Jazzmusikern alte Filmmelodien einjammen; in die Avantgarde vorpreschen, Klassik am
Computer verhackstücken, Opern und schließlich sich selbst demontieren; schrecklich
kitschig und hundsgemein über Popmusik als american dream herfallen dies alles und
noch mehr könnte man Zappa im Rückblick auf die letzten 25 Jahre seines musikalischen
Experimentierens nachsagen, jetzt, da er tot ist. Ob's reicht'?
Wie die meisten Erinnerungen der Rockmusik gehen auch die an
Frank Zappa auf die frühen siebziger Jahre zurück. Jedenfalls war es das Jahrzehnt der
SuperRock-Bands, in dem der am 21. Dezember 1940 in Baltimore, Maryland, geborene
Sohn eines Chemikers griechischarabischsizilianischer Abstammung "die Quintessenz
des Grotesken in der Rockmusik" verkörperte, wie der Guardian das Treiben Zappas und
seiner Mothers of Invention beurteilte. Die Mischung aus FiftiesDoowop-Chören und
wirrem Zirkusgedudel, aus schrillen ScifiSounds und obszönem Rocktheater trug dazu
bei, daß Rockmusik zum Zeitpunkt einer ersten allgemeinen Sättigung weiterhin quertrieb.
Zappa ließ Edgar Varése, Free Jazz und Jimi Hendrix in
atonalen Soundcollagen miteinander verschmelzen, für die er selbst eine passende
Kategorie erfand: "musikalische Müllskulpturen". Schon 1967 war ihm das
Rockgeschäft unendlich verhaßt gewesen. Die Beatles wurden wegen ihres "Sgt.
Pepper"Albums als lustvolle Popband mit kulturellem Anspruch gelobt, in San
Francisco sorgten Blumenkinder und die Hippies von Haight Ashbury dafür, daß in ihrer
sonnigen Nische der Hanf blühte und die Zeit stillstand. Frank Zappa konterte: Die
Platten "Freak Out", "Absolutely Free" und "We're only in it for
the Money" waren unnachlässig giftige Kolportagen auf "Plastic People" und
"Flower Punks". Während die amerikanische Jugend nach Vietnam verschickt
wurde und fast alle zuschauten, waren die Mothers of Invention eine der ersten Gruppen,
die mit radikaler Musik auf die sozialen und politischen Umstände reagierte: "Kein
Akkord ist häßlich genug, all die Scheußlichkeiten zu kommentieren, die von der
Regierung in unserem Namen verübt werden."
Für kurze Zeit wurde Rockmusik zur Gegenkultur: Zappa
schrieb Lieder über die Studentendemonstrationen in Berkley, agitierte gegen Nixon und
forderte im Klappentext seiner LPs die Fans auf, sich nicht länger zu verweigern, sondern
einzugreifen: "Don't forget to register to vote" stand auf der
71erLivePlatte aus dem FilmoreEast.
Nur oberflächlich schien sich diese Haltung in den
Popjahren zu verflüchtigen. Die Lieder wurden zwar geordneter, die Gitarrensoli
ausgetüftelter und vor allem länger, aber die Texte parodierten nach wie vor das saubere
Amerika. Statt wild umherschweifendem Bühnenaktivismus dominierte auch bei Zappa das
Entertainment, der Schockeffekt allerdings blieb bestehen: Bei seinen Konzerten ließ er
eine überdimensionale Stoffgiraffe ins Publikum ejakulieren. Schließlich, gelang es
Zappa sogar, mit "Bobby Brown" 1979 einen pornographisch gefärbten Song an der
Zensur vorbei in die Charts zu hieven, doch der Sex war auch hier nur Vorwand: "Oh
god, I am the american dream, but now I smell like vaseline."
Erst in den achtziger Jahren war Zappa die Strategien des
Pop leid. Er wendete sich avantgardistischer Instrumentalmusik zu, arbeitete mit Pierre
Boulez an einer symphonischen Fassung der frühen Politausbrüche oder half seinem Sohn
Dweezil bei dessen Debüt "Having a Bad Time". Seine Tochter Moon wurde
ebenfalls in den musizierenden Familienclan aufgenommen: Sie schrieb die Texte, Dweezil
spielte Gitarre. und Zappa setzte der Produktion auf seinem eigenen "Barking
Pumpkin"Label nur noch am Rande ein dezentes Kürzel zur Seite: FZ.
Damals hatte Zappa bereits von seiner Krankheit erfahren:
Prostatakrebs lautete die Diagnose. gegen die er von nun an produzierte. Seit 1988 wurde
nicht nur der gesamte Backkatalog digital überarbeitet, vor allem stellte Zappa eine
gewaltige Zahl von Neuveröffentlichungen alten Materials unter dem schon ein wenig
traurig stimmenden Titel "You can't do that on Stage anymore" zusammen
insgesamt sechs DoppelCDs.
Als Frank Zappa im Sommer 1991 seine Absicht äußerte, für
das Amt des amerikanischen Präsidenten zu kandidieren, schien selbst diese launige Idee
ins chaotische Bild des damals 50jährigen Alt-Bürgerschrecks zu passen. Die Meldung
versetzte den Spiegel in helle Aufregung darüber, ob sich da womöglich der Friede des
letzten zornigen Freaks mit dem Establishment anbahnte: "Frank Zappa aber ist, so
scheint es, wirklich seriös geworden: Er hat die langen, wilden Haare abgeschnitten, hat
keine Angst vor Anzügen mehr und trägt gelegentlich Krawatten." Schon sah man einen
neuen Ronald Reagan an der kalifornischen Küste heranreifen, der
anstatt fest zum Marsch durch die Institutionen entschlossen lediglich Showbusiness mit
Politik verwechselt.
Es blieb bei Spekulationen. Zur Pressekonferenz anläßlich
der Aufführung von "The Yellow Shark" mit dem Frankfurter Ensemble Modern
letztes Jahr hatten sich Zappas Pläne im demokratischen Aufwind um Bill Clinton
verflüchtigt, die Haare waren wieder lang und grau. Trotzdem hatte sich das Image vom
nackten Dropout, der für unzählige WGPoster auf der Toilette posiert hatte, zu dem
eines seriösen Komponisten gewandelt. Ihm war's egal: "Ich muß und will niemandem
etwas beweisen." Es blieb bei diesem letzten Stand der Dinge.
Anders als Musikerkollegen wie Pete Townshend oder Neil
Young hat sich Frank Zappa nie über das Altern und Sterben des Rock 'n' Roll beklagt.
Für ihn gehörte ein gewisser Verfall zur Geschichte. die er auf einer der letzten
Platten noch einmal durcheinandergewürfelt hatte. 1992 wurde eine durch Zappa
orchestrierte Fassung von Led Zeppelins "Stairway to Heaven" veröffentlicht,
die er mit dem "Bolero" von Ravel zusammenbrachte. Bis zuletzt konnte
Rock'n'Roll sehr romantisch sein, auch bei FZ. Das Kürzel wird bleiben.
Tageszeitung 7.12.1993
Von Mathias Bröckers
Nur ein toter Bürgerschreck ist ein guter Bürgerschreck,
und deshalb wird das prüde Amerika ihn jetzt auch im Radio hochleben lassen. Als großen
Erneuerer und Avantgardisten des Undergrounds, als neodadaistischen Großmeister und
musikalisches Jahrhundert-Genie. Frank Zappa ist tot. Zum 14. Geburtstag hatte er sich ein
Telefonat mit dem Komponisten Edgar Varése gewünscht, vom 40. Lebensjahr widmete er sich
zunehmend dieser "ernsten" modernen Musik in den Jahren dazwischen
revolutionierte er die PopKultur wie kein anderer. Daß die Beatles mit ihren
Pilzfrisuren schockten, die Stones mit aufmüpfigen Texten und Hendrix mit kreischendem
GitarrenFeedback, wird in den Annalen der 60er Kulturrevolution längst und breit
gewürdigt daß Zappa alle diese Impulse in sich vereinigte und auf die Spitze trieb,
kommt allenfalls am Rande vor. Dabei wirkten die Liverpooler Langhaarträger gegen Zappa
mit Zottelmähne auf dem Klo die Posterlkone der Gegenkultur wie brave Buben, der
Ruf der Stones nach sexueller "Satisfaction" klosterschülerhaft gegen Zappas
zotige Allüren, und Jimis Spiel mit dem elektrischen Lärm erfuhr in den akustischen
MüllSkulpturen der "Mothers of Invention" die erfinderische Fortsetzung. Der
Synergetiker Zappa war für die Hochkultur to much in jeder Hinsicht: zu anarchisch, zu
direkt, zu schräg - reif fürs PopPantheon, den Grammy bekam er erst 1988 ("Jazz
from Hell"), als er seine Texte wegliess. Und deshalb ein Fall fürs GuinnessBuch
der Rekorde: der mit Abstand wichtigste Rockmusiker des 20. Jahrhunderts, der trotz 50 LPs
nie einen ToptenHit landete.
Als jemand, dessen persönliche Top Ten in den 70ern nahezu
ausschließlich aus ZappaPlatten bestand, bin ich für objektive Würdigungen
ungeeignet. Als aus dem "Slime of the radio" beim Frühstück die Todesnachricht
sickert, sickern kurz darauf tatsächlich Tränen. Vor drei Tagen Helmut Salzinger (Autor
von "Swinging Benjamin", "Rockpower Wie musikalisch ist die
Revolution?" und "Überohr" der Zeitschrift Sounds), und jetzt Frank Zappa
kaum über 50 sterben die besten und freiesten Geister einfach weg, und all die
angepaßten Arschgesichter überleben wo soll das alles enden?
"Das ist alles nur geklaut!" als erste
deutschsprachige Band seit langem machen die "Prinzen" derzeit auf MTV Furore,
mit einem aus populären Clips zusammengeklauten Video und einem fröhlichen
Schlagerliedchen mit SchubiduChor. Eine Parodie der Parodie der Parodie und ohne
Frank Zappa, der Parodie und ironisches Zitat als Medium in die Popmusik einführte, gar
nicht denkbar. Und weil die Zwerge von heute oft gar nicht wissen, auf welchem Rücken
eines Riesen sie musizieren (und weil in Deutschland allenfalls das eher dämliche
Schunkellied "Bobby Brown" mal im Radio gespielt wurde), hier die Liste der
unsterblichen Musik, die spätestens heute 24 Stunden lang auf allen Kanälen laufen
müßte, hätte der tote Dudelfunk unserer Tage noch einen Funken lebendige Kultur:
One Size Fits All, Roxy & Elswhere, OverNite
Sensation, Bongo Fury, Apostrophe, Just Another Band From L.A., We're only in it for the
money, Cruising With Ruben & The Jets, Zoot Allures, Uncle Meat, Hot Rats, Sheik
Yerbouti, Joe's Garage, Freak Out...
Tageszeitung 7.12.1993
Rockstar Frank Zappa wurde nur 52 Jahre alt -
Krebs
Er galt neben Jimi Hendrix als genialster Erneuerer der
Rockmusik, als Bürgerschreck, der weder musikalische noch gesellschaftliche Tabus kannte.
Als er seinen letzten Kampf verlor, war es ganz still um ihn. Frank Zappa ist im Kreis
seiner Familie an Prostatakrebs.
SAD Los Angeles In seinem letzten Interview sprach
er offen über den Tod: "Es ist mir egal, ob man sich an mich erinnern wird. Leute,
die sich darum sorgen, sind Typen wie Reagan oder Bush."
Frank Zappa ist sich bis zum Schluß treu geblieben. Er
büßte weder etwas von seinem verächtlichen Zynismus noch etwas von seinem besessenen
Schaffenswillen ein. Mit Musik und Arbeit kämpfte er jahrelang gegen den Krebs an.
Als er am Wochenende in Los Angeles im Alter von nur 52
Jahren starb, waren seine Frau Gail und seine Kinder Moon Unit (26), Dweezil (24), Ahmet
(19) und Diva (14) bei ihm. Sie setzten ihn am Sonntag in aller Stille bei.
Frank Zappa sorgte Zeit seines Lebens für Skandale aus
Überzeugung, nicht aus Geltungssucht. Schon als Kind demonstrierte er mit einer Gasmaske
gegen die Arbeit seines Vaters in der Rüstungsindustrie. Als die Familie
griechischsizilianischer Abstammung von dem Ostküstenstaat Maryland nach Kalifornien
umzog, legte er aus Protest an seiner High School in San Diego Feuer.
Mit zwölf Jahren kaufte er sich ein Schlagzeug. Zwei Jahre
später stieg er auf Gitarre um und komponierte seine ersten Stücke. In den 60er Jahren
schließlich gründete er die Band "Mothers of Inventions".
Kein Akkord war ihm zu scheußlich, kein elektronischer Ton
zu schrill, keine Geräuschkollage zu wirr. Zappa parodierte den Rock'n'Roll, die
FlowerPowerBewegung oder das Musical "West Side Story". Er spielte FreeJazz
und nannte seine Stücke "musikalische Müllskulpturen".
Doch nicht seine Musik machte ihn zum Feindbild des prüden
Amerikas, sondern seine Texte und Auftritte. Er sang rauchig von Geschlechtsteilen,
verherrlichte Sex mit Minderjährigen, verspottete den "American Way of Life",
die Konsumgesellschaft und die DiscoGeneration. Bei seinen Konzerten ließ der
NeuzeitRebell auf der Bühne Armeen von Barbie Puppen schlachten und eine Stoffgiraffe
ins Publikum ejakulieren.
Trotz seiner Verbannung aus Funk und TV wurden die Songs
"Valley Girl" und "Bobby Brown" zu Hits. Anfang der 80er Jahre zog
Zappa sich vom Rockgeschäft zurück. Er konzentrierte sich auf klassische Kompositionen
und spielte mit namhaften Sinfonieorchestern. Viele Musikexperten hielten den Exzentriker
für ein Genie. Dirigent Zubin Mehta lobte ihn als ebenbürtig.
Auch in der Politik fand Zappa Bestätigung. Eine Gruppe
tschechischer Dissidenten, die später ihr Regime in die Knie zwangen, übernahmen den
Titel seines Songs "Plastic People". In diesem Stück demütigte Zappa die
Bürger als geistlose Marionetten.
Als Zappa vor zwei Jahren erfuhr, dass er Krebs hat, wollte
er noch einmal etwas schaffen. Sein letztes Album erscheint im kommenden Frühjahr Civilization: Phase III.
Hamburger Abendblatt 7.12.1993
Zum Tode des amerikanischen Rockmusikers Frank
Zappa
Von Michael Laages
Los Angeles Ob da nun der große Visionär sprach
oder doch bloß der komische Kauz und schärfste Schwadroneur der Szene, das war durchaus
nicht zu klären klar hingegen war dem noch einmal politisierenden MusikMogul Frank
Zappa, daß er das "Weiße Haus", hätte er sich beworben um die
Präsidentschaft und sogar gesiegt, nicht lebend wieder verlassen hätte. Denn mit der
Krankheit, die da stetig in ihm frass, kannte er sich bestens aus; und vom Tod sprach er
ähnlich gelangweilt wie von den Moden und Methoden der Musik, Gut zwei Wochen vor dem 53.
Geburtstag ist Frank Zappa, eines der wenigen normensprengenden OriginalGenies der
populären Musik, in Los Angeles gestorben.
Mit allem Ernst (und allem schwarzen, scharfen Witz) hatte
er den Prostatakrebs, den Gefährten der letzten Jahre, gegen die Bewerbung um das
Präsidentenamt der Vereinigten Staaten ins Feld geführt er wolle ja nicht als Leiche
auf Abruf in den Wahlkampf ziehen.
Geboren 1940 in Baltimore (Maryland), stählte er sich im
Widerspruchsgeist schon gegenüber der eigenen Familie, wo er den Papa (beschäftigt in
einem Rüstungskonzern) mit der Gasmaske provozierte und Mama mit so erzählt die
Legende -Musik von Edgar Varese, überlaut durch die gute Stube gedröhnt. Später bekam
auch das Publikum der Konzerte mit Zappas "Mothers of Invention" derlei eher
grobe Zuneigung körperlich zu spüren: angesichts von Stoffgiraffen, die von der Bühne
herab ejakulierten, oder massenhaft hingemordeten Barbiepuppen. Der böse Bube wurde zum
zielsicher verstörenden, Tabus verletzenden "bad guy" der PopMusik.
Ungewöhnlich spät, erst mit 29, hatte für Zappa die
PopKarriere begonnen fast schon als Echo der FlowerPower und HippieZeit
erschien "Freak Out", die erste ZappaKonserve. Junge Musiker, die zum Guru
kamen, erschraken regelmäßig über das Maß an "entfremdeter" Arbeit, wie sie
in Zappas Umfeld üblich war. Jeder hatte für sich, mönchisch einsam in der Einzelzelle
des Studios in geradezu maschineller Berechenbarkeit Ton um Ton abzuliefern. Zappas Sound,
vielgerühmt und zu Recht als Muster des übergreifenden Nebeneinanders von Stil und
Profil gewürdigt, entstand vorzugsweise in schier unendlich langen Klausuren der Mischung
und Montage.
Drei oder vier Jahre mag das her sein da lärmte Zappas
Combo noch einmal durch das Hamburger CCH. Zuweilen griff er zur Gitarre, sonst mimte er
brüchigvirtuos den Maestro und Zampano, dirigierte so, daß Kopie und Parodie nie
wirklich zu unterscheiden waren. Ab und an schaute Zappa auch in den Saal, wo sich ein
paar Übriggebliebene räkelten, die so aussahen wie er vor zweieinhalb Jahrzehnten: Haare
bis zum Hintern, "Hells Angels"Sticker auf den speckigen Lederjacken, viel
Bier im Bauch. Der Anblick schien ihn sehr zu amüsieren.
Die Welt 7.12.1993
Nachruf
Die Sängerin Grace Slick nannte ihn einmal "das
intelligenteste Arschloch, das ich je getroffen habe". Frank Zappa, der große,
brillante Entertainer, hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß ihm dieses Kompliment ganz
gut gefiel.
Als er Mitte der sechziger Jahre mit einem langen,
verfilzten Mantel, seiner gewaltigen Nase und der Forderung "Freak Out!" über
die USA herfiel, hatte er im Gegensatz zu den meisten Rockmusikern die Pubertät längst
hinter sich. Er war 25 Jahre alt, hatte die Kompositionen von Schönberg und Varese
studiert und festgestellt, daß einer wie er mit seiner Leidenschaft für klassische Musik
im besten Fall Musiklehrer in San Diego werden konnte. Also entschied sich Zappa für den
Rock'n'Roll, also revolutionierte er mit den "Mothers of Invention" die
Popkultur.
Bis dahin hatten die Bands von Mondschein und gebrochenen
Herzen, von armen Leuten am Straßenrand und vom Frieden gesungen und ein wenig die
Barregriffe hin und hergeschoben. Zappa erzählte von einsamen elektrischen Truthähnen
und prahlte, daß sein Ding ein Monster sei, und ließ dazu Jazz und Rock, Folk und
Klassik aufeinanderkrachen, verspielt, zynisch und immer böse, getreu seinem Slogan, kein
Akkord sei "häßlich genug, um all die Scheußlichkeiten zu kommentieren, die von
der Regierung in unserem Namen verübt werden".
Damit wurde er anfangs nicht reich, aber zu einer der
berühmtesten Figuren der amerikanischen Gegenkultur. Und im Gegensatz zu den anderen, zu
Jerry Rubin, der heute als Yuppie an der Wall Street arbeitet, zu Timothy Leary, der in
der virtuellen Realität die Freiheit sucht, oder zu Bob Dylan, der als weltabgewandter
JetsetHobo durch die Lande zieht, gehörte Zappa zu den wenigen, die bis zuletzt mit
Kraft und Intelligenz gegen Washington anstänkerten, wo er eine Versammlung von Clowns
bei der Arbeit wähnte. Wie viele tun das noch? "Drei oder vier", sagte Zappa
1992 im SPIEGELInterview, "ich telefoniere manchmal mit ihnen."
Seine Musiker heuerte und feuerte der perfektionsversessene
Eigenbrötler, und die einzige Band, die auf Dauer seinen Ansprüchen genügen konnte, war
das digitale Synclavier, das er Anfang der achtziger Jahre entwickelte. Mit dem
"Gelben Hai" brach er noch einmal aus seinem elektronischen Elfenbeinturm aus
und feierte in Frankfurt mit dem "Ensemble Modern" die Premiere dieses komplexen
Orchesterwerks.
Es war eine seiner letzten Fluchten. Genau wie sein Versuch,
in der zerfallenden UDSSR Wirtschaftshilfe zu leisten, Kulturbotschafter für Václav
Havel zu werden oder gar für das Präsidentenamt der USA zu kandidieren. Die tödliche
Krankheit hatte ihn längst im Griff.
Der Kampf gegen den Krebs ist vielleicht das einzige, was
dem willensstarken Zappa mißlungen ist. Bis zuletzt arbeitete der Amerikaner, der Pionier
und Idealist, der Mann, der immer nach Freiheit und Unabhängigkeit strebte, in seinem
bunkerähnlichen Haus im Laurel Canyon von Los Angeles. Seine Assistenten mußten 24
Stunden am Tag die TVWirklichkeit mitschneiden, er kontrollierte ehrgeizig sein
Gesamtwerk, das er der Plattenindustrie entrissen hatte, er rauchte schachtelweise
Marlboro, bastelte in seinem gigantischen Tonstudio, er schimpfte und scherzte mit seiner
Frau Gail und seinen vier Kindern.
"Das Leben wird komplizierter", sagte der
sterbende Revolutionär vor gut einem halben Jahr, "weil man neben seinen sonstigen
Aufgaben auch noch jeden Tag aufs neue um sein Leben kämpfen muß."
Der Spiegel 50/1993
Abgesang auf ein Genie: die Trauerrede des
deutschen Musikers und Autoren Heinz Rudolf Kunze zum Tod von Frank Zappa
Die erste ZappaPlatte habe ich mit 13 Jahren gehört.
Verstanden habe ich in jener frühen Zeit von ihm nur Spaß und Satire. Zappa war
gnadenlos obszön, unorthodox, frech, autonom. Mit seinen zynischen, sehr ätzenden Texten
war er ein beißender Kommentator der USA. In einer Zeit des wabernden Marihuananebels
blickte er klar durch die Schwaden hindurch. Nie war Zappa, genausowenig wie Bob Dylan,
ein säuselnder Hippie.
Er gehörte zu den Leuten, mit denen unsere Generation
anfing, Musik zu hören. Erst viel später begriff ich, welch musikalischer Innovator
Frank Zappa tatsächlich war. Er schaffte, wie nur wenige, E mit Rockmusik zu verbinden
ohne peinlich zu wirken, ohne ins Pathos abzurutschen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Rockmusikern ist er aus dem
autodidaktischen Stadium weit herausgewachsen. Er war ein akribischer Komponist, arbeitete
selten ohne Partituren, notiertem Material, verlangte sich und seinen Mitarbeitern
ungeheuer viel ab. Er hat Kunstrock gemacht, ohne zum musikalischen Dinosaurier à la
Genesis zu mutieren. Zappa ist nie ein Phantom seiner selbst geworden.
Die Unverfrorenheit, mit der Zappa sich von einer
musikalischen Welt zur anderen bewegte, habe ich immer ungeheuer bewundert. Da kamen
urplötzlich Country & Western, Jazz- und Soulklänge. Die Popmusik hat er wie ein
Warenhaus benutzt. Hat mal hierhin, mal dorthin gegrapscht, damit gespielt und alles zu
etwas ganz eigenem verschmolzen. Insofern war Zappa schon 1965 postmodern. Während die
Beatles eine Neuheit waren, war Frank Zappa ein Erneuerer.
Wunderbar selbstironisch, amüsant und witzig waren seine
Bühnengebärden. Mitunter gab er sich etwa wie ein komischer KarajanTyp ein
Dirigent, der sich über sich selbst lustig machte.
Seine hierzulande sicher bekanntesten Stücke "Bobby
Brown" und "Dancin' Fool" sagen eigentlich nicht viel über sein sehr weit
gefächertes Spektrum aus, weil sie nur eine Musikrichtung persiflierten. Was vielmehr
als diese Hitnummern im Gedächtnis bleibt, ist sein Gesamtwerk. Und eine Haltung, die
Mut macht.
Zappas Tod ist ein echter Verlust viele der alten Rocker
seiner Generation, etwa Neil Young, erleben ja jetzt einen sehr schönen dritten
Frühling. Ihm bleibt das nun verwehrt.
Künstler ein Etikett, das Plattenfirmen heutzutage jedem
Vollidioten verleihen.
Frank Zappa aber war ein Künstler, der diese Bezeichnung
wirklich verdient hat.
Focus 50/1993
Frank Vincent Zappa, geboren am 21. Dezember 1940, galt als
Prototyp des Freaks und Bürgerschrecks. So zündete er als Junge die High School an; das
berühmte Poster, das ihn auf dem Klo zeigte, gehörte in die WGs wie das
Guevara-Konterfei. Dabei hätten die Hippies mit Zappa nicht viel Freude gehabt. Er war
ein Band-Despot, der seinen Musikern selbst das Kiffen verbat, ein glühender
Avantgarde-Fan. Von seinen Mothers Of Invention verlangte der pingelige Konzertmeister
nicht nur, daß sie vom Blatt spielen konnten, sie mußten gleichermaßen Jazz, Rock,
Funk, Doo-wop beherrschen. Zuletzt beendete er eine Oper mit .dem Arbeitstitel
"Civilization Part Three", deren Realisation jetzt offen ist. Frank Zappa starb
am 4.12. an Prostatakrebs.
Zappa über seine musikalische Initiation: "Als meine
Mutter mich fragte, was Ich zu meinem 15. Geburtstag haben wolle, sagte Ich: "Warum
läßt du mich nicht ein Ferngespräch führen?" Ich rief Edgar Varese
(amerikanischer AvantgardeKomponist) In New York an. Ich kann mich nicht mehr daran
erinnern, was ich sagte - wahrscheinlich so was wie "Wow, ich steh' auf deine
Musik". Er erzählte mir, daß er an einem neuen Stück namens "Wüsten"
arbeitet - was mich umwarf, denn Lancaster/Kalifornien liegt in der Wüste. Wenn du 15
bist und in der Mojave-Wüste lebst und herausfindest, daß der größte Komponist der
Welt sozusagen über dein Heimatstädtchen schreibt - das ist ganz schön aufregend!"
Zappa über Gitarrensoli: "Das Gitarrenspiel
beschränkt sich fast nur noch darauf, Weedly-weedly-wee zu machen, eine Grimasse zu
schneiden, die Gitarre so zu halten, als wäre sie dein Schniedel ... Und so auszusehen,
als ob du tatsächlich was leistest. Dann kassierst du die stehenden Ovationen, während
rechts und links neben dir Rauchbomben hochgehen und die automatischen Spots hin- und
herfahren." Zappa über seine Krankheit: "Ich habe Prostatakrebs, der sich bis
zu den Knochen ausgebreitet hat. Ob mir nur noch wenig Zeit bleibt? Da kann Ich nur sagen:
Ich hoffe nicht. Ich muß jetzt in mein Schlafzimmer, die nächste Bluttransfusion ...
"
PS: Da wir Zappa mehr verdanken als den Spruch "von
Abba bis Zappa", eine kleine Liste seiner besten Alben: "Hot Rats",
"Uncle Meat", "We're Only In lt For The Money", "One Size Fits
All" und "Trout Mask Replica" von Captain Beefheart, das von Zappa
produziert wurde.
Prinz 01/84
By Dan Quellette
Shortly after Frank Zappa's death, his daughter Moon Unit
was on the 818-PUMPKIN Zappa hotline informing mourners that in lieu of flowers they could
send donations in her dad's name to the Office for Intellectual Freedom of the American
Library Association or to a favorite environmental cause. For those musicians and
listeners financially restricted, Moon suggested, "Just play his music. . . . That
will be enough for him."
Nothing could be more appropriate for the iconoclastic
genius composer/performer, who lost a lengthy battle against prostate cancer on December
4, two-and-a-half weeks before his 53rd birthday. Zappa - who in his more than 30-year
musical career was also known as an outspoken political critic, sophomoric humorist, and
crass satirist - died at his Laurel Canyon home in the North Hollywood Hills on a Saturday
evening. He was buried without fanfare in a private ceremony the next day. A music
workaholic, Zappa was busy up to the end producing the album The Rage And The Fury - The
Music Of Edgard Varese by the European 26-piece avant-garde orchestra Ensemble Modem (due
out later this year) and putting the finishing touches on the double-CD Civilisation,
Phaze III (due out in April on Barking Pumpkin/Rhino).
In his healthier days, Zappa employed two shifts of
recording engineers to keep up with his insatiable energy. But, as he said last April in
one of his last formal interviews, he was forced by his illness to cut back. "I used
to be a night owl, but now I'm in bed by six or seven in the evening. It's hard for me to
work a real long day anymore. If I can put in a 12hour shift, then I feet I'm really doing
something."
With more than 60 albums to his credit, Zappa adventurously
covered a universe of musical terrain ranging from '50s doo-wop to 20th-century classical
music by Stravinsky and Bartok. He punched out heady rock on his mean guitar and served up
"jazz from hell" experiments on his computerized Synclavier DMS keyboard. With a
lifelong flair for creating genre-jumping, postmodernist music, Zappa-beginning with the
debut Mothers of Invention record Freak Out! in 1966-released albums that folded into
several different styles of music, cross-referencing such seemingly disparate domains as
classical with reggae and melodic r&b with dissonant avant-garde musings. He fused it
all into a sometimes-brilliant, frequently madcap, always-spin-on-a-dime concoction of
distinct and inimitable Zappaesque music.
"Growing up, I had no outlet
in music to express my
discontent. It all seemed so
idiotic. The only reason I got
musical training was because
my high school needed a
marching band at its football
games."
The Yellow Shark, the album released shortly before his
death, is a masterpiece of dissonant, whimsical, and haunting contemporary orchestral
music. Arranged by Zappa and performed in concert by Ensemble Modem, it's a suitelike
collection of some of his classic works, "Dog Breath Variations Be-Bop Tango",
and "G-Spot Tornado", and such newly commissioned pieces as "Get
Whitey" and "None Of The Above".
The album was recorded in the summer of 1992 at concert
halls in Frankfurt, Berlin, and Vienna. Zappa, who noted that he'd never heard such
accurate performances of his works, attended two of the shows in Frankfurt. He even
conducted the whirlwind "G-Spot Tornado" before being forced to return home
because of his worsening condition. "The audiences loved it. If I hadn't been so
sick, the experience would have been exhilarating. Unfortunately, it was excruciatingly
[painful]. It was hard to walk, to just get up onto the stage, to sit, to stand up. You
can't enjoy yourself when you're sick, no matter how enthusiastic the audience."
Toward the end Zappa spent his time cloistered in his house,
composing on his Synclavier and recording in his state-of-theart home studio called the
Utility Muffin Research Kitchen. He also exercised strict creative and business control
over all aspects of his career, including maintaining his own song publishing rights,
recording for his own Barking Pumpkin label, running a mailorder and merchandising company
called Barfko-Swill, operating the Honker Home Video arm of his empire, fielding requests
from orchestras and chamber groups seeking to perform his serious orchestral works, and
finally, trademarking his name.
A control freak who ultimately trusted only his inner circle
of colleagues, friends and family, the irascible Zappa at times found himself at odds
(that sometimes led to irreconcilable rifts) with some of the musicians who worked for
him.
Yet, for former band members like drummers Terry Bozzio and
Chad Wackerman and trombonist Bruce Fowler, working with Zappa was not only the most
challenging musical experience they've encountered, but also the most inspiring.
Bozzio, who in 1975 out-finessed 50 other auditioning
drummers, speculates that some former group members may not have seen eye-to-eye with
Zappa because he was such a genius. "I think some guys were jealous of Frank being
the kingpin. But he was Mt. Olympus, and we were mere mortals." Bozzio, currently
touring as an ostinato-oriented, solo-drum show, cites Zappa as a role model: "We'd
all love to be just like him in our own way. He's an archetype. He put on the red shoes.
He did it 18 hours a day every day. He rode that wave. Frank was a strong, uncompromising
guy who believed in his artistic principles. He was convinced and lucky enough to have
those convictions about himself early enough in his life to follow through on them."
Wackerman, who worked with Zappa from 1981 to 1988, also had
to pass a grueling audition that consisted of reading intricate and complex classical
notation, playing polyrhythmically in such odd time signatures as 21/l6, and then
following Zappa's guitar lead into Latin, Cajun, reggae, and heavy-metal grooves. "He
pushed everyone who worked for him", Wackerman recalled. "He'd ask me to play
something incredibly complex. When I couldn't do it, he'd get more specific and ask me to
play something even more difficult. I couldn't do that, either; but as I would try, I'd
come to realize I was playing what he had first asked me to play."
Fowler first joined Zappa in 1973 for his Overnite Sensation
touring band (with Jean Luc Ponty, George Duke, and Ian Underwood) and played with him on
and off for the next two decades. The son of longtime DB education columnist Dr. William
L. Fowler, Bruce was well-versed in the complex rhythms Zappa was compositionally fond of.
Brothers Tom and Walt were also part of various Zappa ensembles. "He liked us because
we were an orchestral tool for him", said Fowler.
Fowler said that Zappa was a hard taskmaster, putting his
bands through hours of practice. "But it was all fun when we did the actual gigs.
Sometimes Frank wouldn't give us the set list until right before the show. But we knew the
material so well we could be spontaneous". Fowler noted that Zappa stretched his
audiences as well. "He was real proud to bring music to the masses of people who
wanted to get freaked out by him. He wanted to play Bartok for those guys."
Zappa's propensity to shock and even outrage people with his
idiosyncratic music and his bold political views often made him an easy target of critics
bent on dismissing his dissenting vote against the status quo. Did Zappa ever think that
he would influence and help shape listeners' opinions? "Nothing I've ever done has
been motivated by the idea of trying to impact or influence anybody. We did the goofy
songs for a laugh, to have fun. If the music amused someone else, that's really good. If
it didn't, who gives a fuck?"
On the other hand, talking last spring, he voiced a quiet
hurt over the fact that his music rarely gets airplay in the United States. "A lot of
people in this country don't know I exist. It helps to have a large and devoted audience
overseas. I mean something to people in other parts of the world."
While his biggest Stateside hit, "Valley Girl,"
was a novelty tune, and a significant portion of his pop-oriented work falls far short of
the genius plateau, Zappa's importance as a composer and performer promises to be
increasingly recognized in the years to come. In 1969, DB's Larry Kart concluded his
article on Zappa by prophesying: ". . . there is still the music, and if any of us
are around in 20 years, I think we'll be listening to it." Twenty-four years later,
Terry Bozzio is even bolder in his predictions: "Frank will be the only guy mentioned
200 years from now when people are discussing the great music of our era."
Zappa was pleased with the increase in recognition his works
were receiving. Last year, he reported that the president's own U.S. Marine Corps Band in
Fairfax, Virginia, requested the score of "Dog Breath Variations," and the
Connecticut-based dance group Iso was granted permission to choreograph a performance
based on The Grand Wazoo album. "You'd be surprised at how many orchestras and
chamber groups all over the world play my music every year," Zappa said. "I get
requests for scores all the time. But I won't grant permission if I feel there's not
enough money budgeted for proper rehearsal time. I'd rather not have the music played than
have it performed in a sloppy way."
Yet Zappa also voiced his disappointment that more of his
works weren't getting performed. "I get a lot of requests for the same few pieces,
such as "Duprees Paradise." But no one is willing to take on difficult pieces of
my repertoire. Except in Europe, no one has performed my large orchestral works. I'd like
to see pieces like "Sinister Footware" - which was only done once by the
Berkeley Symphony Orchestra - be performed more often."
In conversation with Zappa, he was visibly tired as he
meandered through such subjects as his displeasure with the Clinton administration's
"health Nazi" approach to banning cigarette smoking at the White House and his
well-publicized bout over music censorship in 1985 with Tipper Gore and the Parents Music
Resource Center. He was animated when talking about projects in the wings and the
unexpected success of his song "Plastic People" (from the 1967 Absolutely Free
album), a tune that not only helped spawn a countercultural generation of
authority-questioning American youth, but also became an underground hit and cry for
freedom in the then-Iron Curtain country of Czechoslovakia. "I had no idea that song
made the impact it did there," said Zappa, who later developed a close friendship
with Czech president and playwright Václav Havel. "It came as a shock to me that
there was even a group called the Plastic People."
He was moved to recite some of the song's lines: "Take
a day and walk around/Watch the Nazis run your town/Then go home and check yourself/You
think we're singing 'bout somebody else." This led Zappa to comment on today's
political landscape in America: "[That songs] relevant today in the United States.
There's been an incredible rise in racist and fascist attitudes, most of them being helped
along by the Republican Party. That Republican National Party Convention [in '92] was just
unbelievable. Even the set decor looked like a Nuremberg rally. Hatemongers like Pat
Buchanan and Pat Robertson and the rest of the featured speakers were convinced they were
going to win again."
Speaking personally, when it came to his illness that had
gone undetected by his doctors for nearly 10 years before finally being diagnosed in 1990,
Zappa was subdued and reticent to say much more than, "I'm fighting for my life. I've
surprised everybody by sticking around this long."
When asked if working on his music was therapeutic, Zappa
grew agitated. "I don't do it for therapy. I do it because that's what I've always
done. What's your alternative? Stay in bed or work? If you still have musical ideas, then
you go to work until you can't work anymore."
Down Beat 03/94
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